Benefizkonzert junger Talente begeistert Publikum

170 junge Musiker berührten 580 Gäste mit packenden Klängen und starken Geschichten, um 4.045 Euro für den Kinderschutz zu sammeln.
Von Josef Aßfalg
Ummendorf - Am Sonntag präsentierten das Kreisverbandsjugendblasorchester Ulm/Alb-Donau (KVJBO) und die Kreisjugendmusikkapelle (KJK) Biberach mit 170 Jugendlichen in der Festhalle Ummendorf ein hoch karätiges Benefizkonzert. Der Spendenbetrag von 4.045 Euro kommt den Ortsverbänden Biberach und Laupheim des Deutschen Kinderschutzbundes zugute.
Das Konzert eröffnete das KVJBO unter der Leitung von Lukas Weiss mit der dynamischen, zeitgenössischen Ouvertüre „Illumination“ von David Maslanka. Mit inspirierender Kraft der Musik macht die fröhliche und lebhafte Komposition Gemeinschaft und Lebensfreude spürbar. In der anschließenden Suite „Saga Candida – 7 Impressions of a Witch Hunt“ hat Bert Appermont die Höhepunkte des Musicals „Die Saat des Satans“ zusammengestellt. Es thematisiert den Hexenwahn um das Jahr 1600. Die Geschichte erzählt von Elisabeth und ihrer Tochter Kathelijne, die der Hexerei beschuldigt werden.
„Synphonie NO. 1: Marea Negra“: Das Werk beeindruckt nicht nur musikalisch, es erzählt auch eine tiefgreifende Geschichte. Der spanische Komponist Antón Alcade nimmt die Zuhörer mit auf eine emotionale Reise durch die Umweltkatastrophe im Jahr 2002 vor der Nordwestküste Spaniens. Der erste Satz, „Amencer nas Rías Baixas“, entführt in die idyllische Natur der nordwestlichen Küste und stellt den prächtigen Öltanker „Prestige“ vor. Die Ruhe wird bald durch den aufkommenden Wellengang gestört, was mit dem Flattern von Alufolien von den Musikerinnen und Musikern symbolisiert wird. Im zweiten Satz kündigt das Schlagwerk den Sturm an, der den Tanker auseinanderbrechen lässt und die Natur und die Tierwelt mit dem auslaufenden Öl verseucht. „Marea Negra“, der dritte Satz, zeigt die volle Dramatik dieser gravierenden Umweltkatastrophe. Die Musik vertont eindrucksvoll die Verzweiflung und das Ausmaß der Zerstörung, die das auslaufende Öl verursacht. Dank des großen Einsatzes freiwilliger Helfer konnte sich die Natur wieder regenerieren. Im vierten Satz „Marea Blanca“ wird diese Entwicklung und die Freude darüber, dass die Natur sich erholen konnte gefeiert. Die rund 580 Besucher haben die Akteure des Nachbarkreises Alb-Donau mit großem Beifall belohnt. Mit der Zugabe „Spanish Dance“ (Dmitri Schostakowitsch) verabschiedeten sich die 75 Damen und Herren. Tanja Wiesinger gab auf beeindruckende Weise Erklärungen zu den Stücken.
Mit „The Hounds of Spring“ (Die Hunde des Frühlings) begann die KJK mit MD Tobias Zinser den zweiten Teil des Konzerts. In der dreiteiligen Komposition entfaltet sich eine Geschichte voller Kontraste: Da ist die junge Liebe, frisch wie der Frühling und wild vor jugendlichem Überschwang – und daneben die leise, zarte Liebe, die heimlich und sanft im Verborgenen blüht. Die 95 Musikerinnen und Musiker mit ihren Solisten brachten diese Gefühle eindrucksvoll zum Klingen. Auf Korsika war es früher Brauch, für Beerdigungen professionelle Klageweiber zu engagieren, die die Trauer der Hinterbliebenen in lautstarken, emotionalen Gesängen dramatisierten. Man unterschied dabei zwei Arten von Gesängen: Lamento bei einem natürlichen Tod und Vocero, wenn der Verstorbene ermordet wurde. Der Vocero ist ein schmerzerfüllter Gesang, in dem die Sängerin Rache schwor, da die Tat nur durch einen Racheakt gesühnt werden konnte. Die Komposition „Corsican Litany“ (Václav Nelhýbel) beinhaltet den Vocero und beginnt mit einer melancholischen Melodie. Sie steigert sich in leidenschaftlicher Intensität bis zu einem Höhepunkt, der den Racheschwur darstellt.
„Extreme Beethoven“ ist eine Ode an die Großartigkeit von Ludwig van Beethoven. Sie entspringt Johan de Meijs tiefer Bewunderung für einen der größten Komponisten. Meij verwendet dabei Teile verschiedener Sinfonien von Beethoven, darunter der „Türkische Marsch“. Parallel zum Orchester auf der Bühne ließ Tobias Zinser eine kleine Kapelle (Trompeten, Posaunen und Schlagzeug) mit dem Türkischen Marsch in die Festhalle einmarschieren.
„Robin Hood - Prince of Thieves" ist der Titel der Filmmusik von Michael Kamen zum gleichnamigen Film. Die heroischen Hörner entführen dabei die Zuhörer in die Wälder und lassen den Nervenkitzel und die Spannung bei Robin Hoods Beutezügen hautnah miterleben. Nach anhaltendem Applaus spielten die 95 Musikerinnen und Musiker als Zugabe „Flight of the Silverbird“, ein bekanntes Musikstück des Komponisten-Duos Two Steps from Hell. Am Ende stand fest: Die beiden top geschulten Orchester strahlten durchgehend mit erstklassigem Klang, technischer Finesse, punktgenauem Rhythmus und einer dynamischen Vielfalt, die begeisterte.
„Die jungen Musikerinnen und Musiker unterstützen seit Jahren soziale Einrichtungen und möchten der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagte Landrat Mario Glaser bei seiner Begrüßung. Dieses Jahr fließen die Spenden direkt zu den Ortsverbänden Biberach und Laupheim des Deutschen Kinderschutzbundes. Der Kinderschutzbund erbringe im Landkreis Biberach ehrenamtlich eine äußerst bedeutende Leistung. Glaser dankte den anwesenden Verantwortlichen der Ortsverbände für die vielfältige Arbeit, die sie für die Kinder und Jugendlichen im Landkreis leisten. Am folgenden Tag teilte das Landratsamt die Spendensumme von 4.045 Euro mit.
Quelle: Schwäbische Zeitung vom 06.11.2025 (sz)